Ob ein junger Mensch ein Studium beginnt und auch abschließt, hängt in Österreich eng mit seinem sozialen Hintergrund, seinem Geburtsort und seinen familiären Verhältnissen zusammen. Beim Forum Alpbach wurde 2015 eine Strategie gegen diese Ungleichheit angekündigt. Wir meinen, dass Open Source und Open Educational Resources dazu was beitragen können.

Creative Commons Austria (CC.at) nahm an der Möglichkeit Teil, eine Stellungnahme zu einem Entwurf der "Nationalen Strategie zur sozialen Dimension in der Hochschulbildung" (Version 04.11.16) abzugeben.

CC.at ist Teil einer internationalen Commons Bewegung, die verhindern möchte, dass einmal gegebene Rechte an Werken und Sachen nachträglich wieder eingeschränkt werden. Ziel ist der Schutz von Gemeingütern.

Während sich Creative Commons auf Werke im Sinne des Urheberrechts
konzentriert gibt es analoge Bemühungen beispielseise auch für dingliche
Rechte.

Umgesetzt wird dies im Fall von CC durch vorformulierte Klauseln in
urheberrechtlichen Nutzungsvereinbarungen, die sicherstellen, dass
mindestens die ursprünglich gewährten Rechte an dem so lizenzierten
Produkt erhalten bleiben und nicht durch nachfolgende Lizenzierungen
einschränkbar sind. Laut Schätzungen von Creative Commons gab es 2015
ca. 1 Milliarde CC-lizenzierte Werke (stateofthecommons.org), darunter
beispielsweise auch die Inhalte der Open Data Portale in Österreich.

Da sowohl der im Rahmen dieser nationalen Strategiebemühungen behandelte
Zugang zu höherer Bildung, als auch der Studienerfolg und die
hochschulpolitische Steuerung  zu einem nicht unwesentlichen Teil von
den rechtlichen Rahmenbedingungen abhängen, die den Zugang zu relevanten
Informationen und Hilfestellungen (z.B. Software) regeln, möchten wir
nachfolgende Ergänzungen anregen:



Ad Quantitative Ziele bis 2025 (Seite 25)

Maßnahmen: 10. Abbau von finanziellen und sprachlichen Einstiegshürden
auf Seiten der Studierenden durch Erhöhung des Anteils freier, offener
und an individuelle Bedürfnisse frei anpassbarer Arbeitswerkzeuge (z.B.
Open Source Software) und Lehrinhalte (Copyleft, Open Access) im
Lehrbetrieb.

Bemerkung: Die Nutzung von freien Lehr- und Lerninhalten sowie freier
und Open Source Software hält finanzielle Einstiegshürden gering.
Gleichzeitig lernen Studierende Werkzeuge kennen, die sie später auch
ohne Mehrkosten im Arbeitsleben einsetzen können. Daher sollten
Hochschulen darauf achten, diese Produkte zu fördern um schleichende
Kosten für Studierende zu vermeiden. Open Source Software steht heute
in der Qualität und Vielfalt kommerziellen Produkten nicht nach und kann meist
auch rasch in andere Arbeitssprachen übersetzt werden bzw. stehen
Sprachpakete bereits unter offenen Lizenzen zur Verfügung. Eine Liste geeigneter
Open Source Software für den Hochschulbereich senden wir auf Wunsch gerne zu.



Ad Aktionslinie 5: Studienorganisation und Qualität der Lehre (Seite 34)

Maßnahmen: Rechtssicherheit für Lehrende und Studierende durch
verstärkten Einsatz von (digitalen) freien Lehr- und Lerninhalten (Open Educational Ressources).

Bemerkung: Durch die problematische Rechtssprechung zum Thema digitale
Lehr - und Lerninhalte (z.B. in Deutschland) ist es sehr schwierig, die
Vorteile der Online-Lehre auch legal korrekt umzusetzen. Eine Lösung ist
sicherlich, verstärkt auf offene Lehr- und Lerninhalte zu setzen (z.B.
Creative Commons lizenzierte Lehrbücher) und in Bezug auf unbedingt
benötigte kostenpflichtige Datenbanken ähnlich wie die Schweiz und in
anderer Form in Deutschland Nationallizenzen für den gesamten
Bildungssektor auszuhandeln, langfristig muß aber Rechtssicherheit durch
ein klares Bekenntnis zu Urheberrechtsausnahmen im Bereich der Aus- und
Weiterbildung erfolgen.



Ad Aktionslinie 8: Integration der sozialen Dimension in die
Strategieüberlegungen von Hochschulen und Schaffung geeigneter
Governancestrukturen (Seite 38)

Maßnahmen: Abbau finanzieller Eintrittshürden durch Einbindung offener
Werkzeuge und Inhalte in die Hochschulstrategien

Bemerkung: Offene Lizenzierung bzw. die Grenzen derselben sollten
strategisch einbezogen werden. Gerade sozial benachteiligte Studierende
profitieren von freien Inhalten und freier Software für berufliche und
private Zwecke.

An der Stellungnahme haben mitgewirkt: Mag. Gernot Hausar, Dr. Joachim Losehand, Dr. Alexander Baratsits, Dr. Roland Alton-Scheidl als Teammitglieder von Creative Commons Österreich, welche in der fairkom Gesellschaft verankert ist.

Submitted by ras on Mon, 11/28/2016 - 13:48